Priv. Doz. Dr. med. Nedal Hejazi
Facharzt für Neurochirurgie

       

 
 

 

                   
 

Neurochirurgische Schmerztherapie

Akuter Schmerz: Tritt meist in Folge eines krankhaften Prozesses oder Verletzung auf (= sinnvolles Warnsignal). Die Behandlung der Ursache führt meist zur Genesung.

Chronischer Schmerz: Dauert über den eigentlichen Heilungsprozeß hinaus an ( = pathologisches Phänomen des schmerzverarbeitenden Systems selbst), erfüllt keine biologisch sinnvolle Funktion, erweist sich oft als therapieresistent und meist findet sich kein eindeutiges organisches Substrat.

Ursachen:

  • maligne: Vor allem metastasierende Tumore
  • benigne: Neuralgien (Trigeminus-, Postzosterneuralgie) - Postamputationssyndrom (Stumpf-,Phantomschmerz) - Postlaminektomiesyndrom = radikulär/pseudoradiku1äre Schmerzsymptomatik, die nach mehrfachen Bandscheibenoperationen auftreten kann (chron. Wurzelirritation?)

Neurochirurgische Schmerzeingriffe:

  1. Operationen nach Janetta (bei Gesichtsschmerz, s.g. Trigeminusneuralgie)
  2. Thermokoagulation des Ganglion Gasseri (bei Trigeminusschmerz)
  3. Implantation von Port- und Pumpsystemen (bei medikamentös nicht einstellbarem Schmerz
  4. Röntgengesteuerte perkutane gezielte Blockaden: indiziert bei hartnäckigen radikulären oder Gelenksassoziierten Schmerzen:
  • Wurzelblockede (bei monoradikulärer Symptomatik)
  • Facettenblockaden (bei Rückenschmerz)
  • Ileosacralgelenk-(ISG)-blockade
  • Caudablock (bei diffusen, multiradikulären Schmerzen und bei Rückenschmerzen)

Ausführlichere Informationen im Artikel: Witzmann A, Hejazi N. Schmerzbehandlung chronischer Wirbelsäulenleiden. J. Neurol. Neurochir. Psychiatr. 2001(4):23-32

Sonstige Maßnahmen:

  • -ablative Verfahren (Chordotomie Traktomie Rhizotomie) werden abgesehen von der Rhizotomie (= Hinterwurzeldurchtrennung) nur noch selten verwendet.
  • -Stimulationsverfahren (Hinterstrangstimulation) indiziert bei Postamputationssyndrom, Neuraligen. Nicht indiziert bei malignen Schmerzen.
  • -intrathekale Medikamentenzufuhr (mittels Katheter und externen oder implantierbaren Pumpen). indiziert bei chron. benignen und malignen Schmerzzuständen.
  • Hinterstrangstimulation: = elektrische Reizung der Hinterstränge mittels epiduralen Elektrode und eines implantierbaren Impulsgebers. Im Schmerzareal werden Kribbe1parästhesien erzeugt, die zu 1ängerer Schmerzfreiheit führen. Der Patient kann das Gerät ein- und ausschalten und die Reizstärke variieren.
  • Intrathekale Schmerzapplikation: Medikament: Morphinpräparat Clonidin.
  • Katheterlage: Intraventrikulär, lumbal intraspinal Pumpe:
  • extern implantierbare (Gasdruckpumpe, elektronische) Pumpen (bei malignen Tumoren). Vorteile: Das Medikament wird direkt an den Wirkungsort gebracht. Umgehung des First-pass-Effektes. Konstanter Spiegel durch kontinuierliche Medikamentenzufuhr. Hohe Wirksamkeit bei niedrigen Dosen (weniger Nebenwirkungen) Mögliche zusätzliche Bolusgaben (bei Schmerzspitzen).

 

Literatur:

Witzmann A, Hejazi N (2001): Schmerzbehandlung chronischer Wirbelsäulenleiden. J. Neurol. Neuros. Psychiatr. 4:23-32 (German).

Hejazi N. Microsurgical infrapedicular paramedian approach for retrovertebral lumbar disc herniations. Technical note. J Neurosurg Spine. 2005 Jan;2(1):88-91.

Hejazi N, et al: Intraoperative cervical epidurography: a simple modality for assessing the adequacy of decompression during anterior cervical procedures. Technical Note. J Neurosurg (Spine 1) 98:96–99, 2003

Hejazi N, et al. Combined transarticular lateral and medial approach with partial facetectomy for lumbar foraminal stenosis: Technical note. Journal of Neurosurgery (free article) 96:118-121, 2002

Hejazi N, et al. Spinal intramedullary teratoma with exophytic components. Neurosurg Rev (May 2003) 26: 113-116

Witzmann A, Hejazi N. Posterior cervical foraminotomy. A follow-up study of 67 surgically treated patients with compressive radiculopathy. Neurosurg Rev 2000;23(4):213-217.