Priv. Doz. Dr. med. Nedal Hejazi
Facharzt für Neurochirurgie

       

 
 

 

              

Hydrocephalus

Der Hydrocephalus ist definiert als ,,Ungleichgewicht " zwischen Hirnwasser-(=Liquor)-produktion und -resorption verbunden mit Erweiterung der Hirnkammerräume (=Ventrikel). Als Ursache des Hydrocephalus werden drei Hypothesen diskutiert:

  • 1 Obstruktion (Verschluß) der Liquorwege (=Verschlusshydrocephalus)
  • 2 Liquorüberproduktion (Hydrocephalus communicans)
  • 3 Resorptionsstörung (Hydrocephalus malresorptivus)

Als wichtigste Ursache wird heutzutage die Verstopfung (Obstruktion) der Liquorwege betrachtet. Je nachdem ob der , ,,Block" im Ventrikelsystem oder im Subarachnoidalraum liegt, spricht man von ,,kommunizierendem" oder ,nicht-kommunizierendem" Hydrocephalus. Unabhängig von der Ursache, variiert das pathologische und klinische Bild in Abhängigkeit:

  • vom Alter des Patienten
  • Verformbarkeit des Schädels
  • Dauer der Liquorzirkulationsstörung.

Eine Ventrikelerweiterung führt auf die Dauer zu:

  • Atrophie der ,,Weissen Substanz" insbesondere Axonschädigung und Demyelinisierung sowie Astrogliose Läsion des Ependyms,
  • Ventrikelausbuchtungen,
  • Beeinträchtigung der cerebralen Perfusion.

Vital bedrohlich ist der ,,Akute Hydrocephalus" , bei welchem aufgrund einer akuten und vollständigen Obstruktion der Liquorwege eine ausreichende intrakranielle Kompensation nicht möglich ist.

Ein solcher Verlauf ist zu erwarten bei:

  1. intracerebraler oder intracerebellärer Blutung
  2. akuter Dekompensation eines Tumors in Nähe des Ventrikelsystemes
  3. Subarachnoidalblutung (SAB),
  4. Schädelhirntrauma (SHT) mit ,,Verschwellung" der basalen Zysternen
  5. plötzlicher Shuntdysfunktion.

Klinisch zeigt der akute Hydrocephalus das Bild einer akuten Hirndrucksteigerung und führt ohne chirurgischer Therapie zur ,,Hirneinklemmung". Demgegenüber führt die ,,chronische Liquorzirkulationsstörung" bei inkompletten Obstruktionen vorwiegend zu degenerativen Veränderungen durch Minderperfusion undAtrophie.

Klinisch stehen dabei im Vordergrund:

  • geistiger Abbau und idiomotorische Verlangsamung
  • Gangstörung
  • Harninkontinenz.

Therapeutisch ist nur die chirurgische Therapie zielführend. Allgemein ist die Shuntimplantation mit einer Komplikationsrate von bis zu 30% behaftet. Shuntobstruktionen sind dabei mit -infektionen die häufigsten Ursachen. Bei Kindern und Jugendlichen sind aufgrund des Längenwachstums Katheterdyslokationen typisch. Häufige Kontrollen sind deshalb wichtig.

Shuntdysfunktionen zeigen sich als akute oder chronische Liquorzirkulationsstörung. Beim klinischen Verdacht auf Dysfunktion - (besonders ernst zu nehmen sind Beobachtungen von Mutter oder Angehörigen) - sollte unverzüglich eine CCT oder Zuweisung an die neurochirurgische Klinik erfolgen. Ebenso sollte bei Patienten nach SAB, intrakranieller OP, Meningitis oder SHT im Falle von plötzlichem geistigen Abbau an eine Liquorzirkulationsstörung gedacht werden.

Das Outcome bessert sich entscheidend wenn eine Shuntimplantation vor Eintreten von irreversiblen Parenchymschädigungen erfolgt!